Wenn die Seele reißt, dann hört niemand die peitschende Explosion.
Wenn die Seele reißt, dann hört niemand die peitschende Explosion. Eine lautlose Wunde entsteht, die nie wieder gänzlich verheilt. Die Augen, so sagt man, sind der Spiegel der Seele, dessen Scherben ein guter Beobachter leicht sehen könnte. Obwohl sie über Meilen hinweg blenden, wenn ein Lichtstrahl sie trifft, wird wohl ein Großteil einfach die Hand schützend heben, um diese Störung ignorieren zu können.
Wer eine gebrochene Seele in sich trägt, der hat tief in den Abgrund gesehen, hat Dinge empfunden, deren Intensität niemals in Worte gefasst werden können. Die tausenden Nadelstiche, die einem hierbei den Atem rauben und einen nicht mehr klar denken lassen, verbieten jede rationale Handlung. Ein einziger Moment der Klarheit reicht aus, um eine lange geglaubte Wahrheit als schreckliche Lüge zu entlarven. Sobald dieser Staudamm bricht, die Wände eingerissen werden, dann gibt es kein zurück mehr. Wellen aus Schmerz, Sehnsucht, stiller Verzweiflung brechen herein und reißen alles mit sich, bevor sie sich letztlich mit dem ganzen Dreck in eine braune, stinkende Brühe verwandeln.
Momente der schwarzen Ewigkeit nisten sich danach in jede Pore des Körpers und verstopfen jede Möglichkeit auf Rettung. Diese Ewigkeit sperrt ein, schottet ab und lässt die Außenwelt in Vergessenheit geraten.
Manchmal jedoch, wenn alles im Dunkel zu versinken droht, erhebt sich ein Funke, schwach und kaum wahrnehmbar. Dieser Funke legt sich sacht auf die gebrochene Seele, schmiegt sich an und flüstert Wärme in die, vor Schreien betäubten, Ohren. Geduldig und still wird der Funke warten, bis sein Leuchten auf die Seele übergegangen ist und sich ein zartes Häutchen über den größten Wunden gebildet hat.
Und dann geht die Sonne auf und lässt selbst auf dieser stinkenden Brühe atemberaubende Lichtspiele tanzen. Und die Seele tanzt mit...
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